Statusbericht zum Flüchtlingsprojekt



Die Flüchtlingsfamilien sind jetzt schon einige Zeit bei uns in Ybbsitz und ich glaube, dass es an der Zeit ist, ein wenig Einblick in unsere Betreuungsarbeit zu geben. (von Monika Bramauer)

 

Die Wohnung im oberen Stockwerk wurde am 26. März von einer Mutter mit ihren 5 Kindern bezogen. Sie sind Kurden und kommen aus Syrien. Wir haben eine Familie empfangen, die sehr abgekämpft, traurig und unsicher wirkte. Auch wenn die unterschiedlichen Sprachen das Kennenlernen erschwert haben, spürten wir sehr schnell, dass sie uns vertrauen und sehr dankbar sind.

Am Anfang gab es Vieles zu organisieren (Behördenwege, Gewand, Schuhe, Spielsachen, Schulbesuch, Schulsachen, Schulweg ,…) und sie brauchten täglich unsere Unterstützung. Vom zweiten Tag an wollten die Kinder schon Deutsch lernen und wir begannen mit einem Memory-Spiel die ersten Begriffe zu lernen. Jeden Tag wurde der Wortschatz größer und als dann die Osterferien zu Ende waren, begann für die jüngeren 3 Kinder der Schulalltag.

Für unsere/n Schulleiter/-in und Lehrer/-innen war das eine große Herausforderung, doch sie haben sich sehr bemüht, die Kinder bei diesem schwierigen Neuanfang bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Auch in den Klassen wurden die „fremden, neuen“ Kinder gut aufgenommen und sie haben schnell Freunde gefunden. Das ist wohl auch ein Grund, warum sie gerne in die Schule gehen.

Während die Kinder in der Schule sind, wird auch zu Hause fleißig Deutsch gelernt und es ist eine Freude, die Fortschritte zu sehen!

 

4 Wochen später, am 23. April, wurde dann die zweite Wohnung im Erdgeschoß von einem Vater mit zwei erwachsenen Söhnen bezogen. Auch sie flüchteten vor dem syrischen Bürgerkrieg, waren sehr abgekämpft, müde und traurig und brauchten anfangs viel Ruhe und Schlaf. Die Sprachbarriere war jetzt schon leichter zu überwinden, besonders Dank der Hilfe der „oberen“ Familie.

 

Die beiden Familien helfen sich gegenseitig wo sie können, ganz viel Unterstützung bekommen sie aber auch von den Ybbsitzern. Zum Beispiel konnten wir ihnen durch Spenden Fahrräder (besonders wichtig) und viele weitere Dinge des täglichen Lebens zur Verfügung stellen. Immer wieder kommt auch jemand mit einem Kuchen vorbei. Sollten wir uns einmal nicht ausreichend verständigen können, dürfen wir jederzeit zu Faris und Sleman in die Pizzeria Bella Milano (ehem. GH Pichler) kommen, die uns dann gerne übersetzen. Sehr viel Zeit wird ihnen natürlich für das Deutschlernen geschenkt, aber auch fürs Einkaufen, für Behördenwege und Arztbesuche sind sie auf unsere Hilfe angewiesen.

Besonders freut es mich, dass das Knüpfen von Kontakten mit Ybbsitzern bereits so gut funktioniert: Einige Familien haben die Flüchtlinge schon zu sich nach Hause eingeladen, die Pfadfinder haben die Kinder zur Heimstunde geholt, ein Mädchen darf bei der Volleyballgruppe mitspielen, ein Junge beim Fußballtraining mitmachen und einige der Jugendlichen kommen zu den Chorproben vom Jugendchor, um nur einen Auszug zu nennen! Viele Menschen nutzen auch die Kontaktfreudigkeit unserer Gäste und besuchen sie bei ihnen zu Hause um zu spielen, zu lernen (nicht nur Deutsch, sondern auch Kurdisch/Arabisch) und gemeinsam Zeit zu verbringen. Schön ist auch die Beteiligung so vieler Jugendlicher nicht zuletzt aus verschiedensten Gruppierungen der Pfarre. Ein schönes Zeichen der Solidarität, die diese jungen Menschen zeigen.

 

Der Neubeginn bei uns in Österreich ist für sie sehr schwer. Ein fremdes Land, eine fremde Kultur und besonders die Sprache sind eine große Herausforderung. Aber auch das Warten auf den Asylbescheid, das Ungewisse, wie es danach weitergehen wird, das Loslassen von dem, was man sich geschaffen hat und das Verarbeiten des Kriegsgeschehens und der gefährlichen Flucht, das Getrenntsein vom Partner und der restlichen Familie – all das sind Realitäten für sie, die wir uns kaum vorstellen können.

 

Es ist viel Geben und viel Nehmen, aber ich kann auch sagen, es ist für uns nicht nur ein Geben. Wir bekommen auch sehr viel zurück! „Wir brauchen Menschen und wir sind sehr dankbar für Jeden und für Alles“, hat uns die Mutter einmal durch die Dolmetscherin sagen lassen. Und das spüren und erfahren wir immer wieder! Unsere Flüchtlinge sind sehr offen und dankbar für jede Unterstützung, für alles, was hier in Ybbsitz und in Österreich für sie getan wird!

 

Wie Sie beim Lesen des Berichts sicher bemerkt haben, lebt dieses Projekt vom Einsatz zahlreicher freiwilliger Helfer. Wenn auch Sie Ihre Zeit zur Verfügung stellen können und möchten, dann wenden Sie sich dazu bitte an die Mitglieder des Projektteams (siehe unten) oder schreiben Sie uns ein E-Mail (fluechtlingshilfe@pfarre-ybbsitz.at).

Wenn Sie das Flüchtlingsprojekt finanziell unterstützen möchten, können sie dies durch eine Spende an das unten angeführte Konto bei der Raika Ybbsitz tun.

 

Ich danke allen, die diese Familien begleiten, unterstützen und betreuen, die ihnen positive Begegnungen schenken und ihnen helfen, wieder Vertrauen in das Leben zu gewinnen.

 

Für das Projektteam und den Pfarrgemeinderatsausschuss für Soziales,
Monika Bramauer

 

Projektteam:
Rosi Ehebruster, Evi Gross, Gertraud Handsteiner, Gitti und Hermann Helm, Monika Lueger, Raimund Lueger, Maria Schallauer, Siegfried und Josefa Tatzreiter, Monika Bramauer

 

Spendenkonto
Empfänger: Verein Wohnen, Projekt Ybbsitz
IBAN:   AT 05 3290 6000 0431 2351

Durch die Kooperation mit dem Verein Wohnen sind Ihre Spenden von der Einkommenssteuer absetzbar! (SO 1353)

Von den Spendengeldern konnten wir den Flüchtlingen bisher z.B. Deutsch-Bücher und Lernmaterialen, Schulsachen für die Kinder, Haushaltsbedarf, Kleidung, Lebensmittel und ähnliche Dinge zur Verfügung stellen.

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